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Mittwoch 03. Juli 2019 - 08:55

Rahel und Andreas Gross: Wertschätzung in Japan

Seit fast zehn Jahren sind Rahel und Adreas Gross als Missionar in Japan im Einsatz. Ihr Herz schlägt dafür, Menschen von Jesus Christus weiterzusagen. In den nächsten Monaten sind sie in Deutschland unterwegs, um aus ihrer Arbeit zu berichten. Wir haben ihnen ein paar Fragen gestellt.

Japaner gelten als sehr fleißig und diszipliniert. Wirkt sich das auch auf das Gemeindeleben aus?
Die Disziplin der Japaner färbt natürlich auch auf ihren Alltag ab. Sie würden niemals Zeit „totschlagen“. Alle, die in die Gemeinde kommen, bringen sich ein. Jeder kommt jeden Sonntag in den Gottesdienst, und wenn man mal nicht kann, meldet man sich beim Pastor ab. Dann muss man aber schon richtig krank sein oder einen ganz wichtigen Termin haben. Manche müssen aber auch sonntags arbeiten, deshalb werden in vielen Gemeinden auch Abendgottesdienste angeboten. Veranstaltungen für Kinder können nur mittwochs stattfinden, weil da die Schule früher aus ist.
Unsere Seniorin in der Gemeinde hatte mit ihren 91 Jahren oft ein schlechtes Gewissen, weil sie nirgends im Dienstplan stand. Deshalb freut sie sich sehr, dass sie  jetzt jeden Sonntag das Gemeinde-Infoblatt falten darf.

Das Schwierige an der Disziplin ist, dass sich viele Japaner mit spontanen Aktionen zum Beispiel im Gottesdienst schwertun. Bei Neuem fühlen sie sich schnell unwohl. Man sollte sich möglichst genau an das Programm halten. Wenn man durch einen Gottesdienst führt, ist man übrigens nicht der „Moderator“ sondern der „Zeremonienmeister“.

Was ist die größte Herausforderung für eure Arbeit?
Außer der Sprache? Die Vorbereitung der Dienste und Predigten brauchen viel Zeit.
Ansonsten ist es sehr schwer, mit anderen, zum Beispiel den Nachbarn, in Kontakt zu kommen, wenn man keine Gemeinsamkeit mit ihnen hat. Freunde findet man meistens in Gruppen und Kreisen, wo man die selben Interessen teilt. Sei es in der Deutschklasse oder beim Hula-Tanz-Workshop. Tiefere Freundschaften, wie wir sie verstehen, sind dagegen nicht so häufig.
Es ist auch eher schwierig, Persönliches von den Menschen in der Gemeinde zu erfahren. Sie wollen sich nicht aufdrängen. Deshalb ist es auch nicht einfach, Hausbesuche zu machen.

Gibt es ein Erlebnis in der letzten Zeit, das euch bewegt hat?
Unsere Verabschiedung in Ome war sehr bewegend. Jeder aus der Gemeinde sollte etwas sagen, was er an uns schätzt oder was ihm von uns hängengeblieben ist. Da hörten wir viele Dinge, die uns vorher nicht bewusst waren. Manche erinnerten sich noch an Predigten, die schon lange zurücklagen. Anderen waren wir ein Vorbild in alltäglichen Dingen – ohne es zu wissen. Darüber haben wir uns sehr gefreut, und das war eine große Ermutigung für uns. Wir dachten dann allerdings auch: Schade, dass wir das jetzt erst erfahren. Manchmal wären solche Ermutigungen auch zwischendurch mal hilfreich gewesen …

Welche Eigenschaft schätzt ihr an den Menschen in Japan besonders?
Besonders schätzen wir ihre Höflichkeit und Wertschätzung. Sie freuen sich immer, wenn man kommt – und das ist nicht nur aufgesetzt. Es ist eine Grundeinstellung. Sie sind immer dankbar. Man bekommt immer das Gefühl: Du bist toll! Auch im Supermarkt oder auf dem Amt – alle sind superfreundlich.
Natürlich gibt es auch eine aufgesetzte Freundlichkeit, aber die ist eher selten.
In der Gemeinde ist es selbstverständlich, dass neue Leute begrüßt werden und sich die Neuen kurz vorstellen. Hier gibt es keine Anonymität, und jeder freut sich riesig über ein neues Gesicht.