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Freitag 28. Juni 2019 - 10:55

Wie eine Eieruhr zwei Frauen bei der Streitschlichtung half

SPANIEN. Streit und Konflikte gibt es leider auch manchmal unter Christen. Dabei sind Missionare der Liebenzeller Mission auch als Schlichter gefragt. Rosita Suchalla, die seit September 2015 mit ihrem Mann Daniel in Spanien arbeitet, hat ganz konkret erfahren, wie Gott Versöhnung und gute Lösungen schenkte – auch mithilfe einer Eieruhr.
 
„Wir haben eine tolle Idee!“ Bele?n und Manuela (Namen geändert) aus unserem Hauskreis schauen uns mit leuchtenden Augen an. Bele?n ist eine junge Frau, alleinerziehend mit drei Kindern. Arbeitslos, täglich am Limit – finanziell wie körperlich. Sie ist krank, in Deutschland wäre sie schon längst als „arbeitsunfähig“ eingestuft worden. Ihre Wirbelsäule ist nicht belastbar, chronische Schmerzen plagen sie jeden Tag. Die Ärzte erhöhen die Schmerzmittel stetig – ohne Aussicht auf Besserung. Die Behörden fordern immer mehr Nachweise, um die ihr zustehende Hilfe hinauszuzögern. Vom Arbeitsamt erhält sich gelegentlich Jobangebote, die sie annimmt. Doch wegen der Rückenprobleme muss sie nach kurzer Zeit die Arbeit wieder abbrechen.
 
Ein Geschenk von Gott?
 
Nun hatte Manuela eine Idee. Sie arbeitet als Reinigungskraft in einem Supermarkt. Ihre Arbeitskollegin hatte kurzer Hand gekündigt, wie so viele vor ihr. Es ist ein Job mit enormem Zeitdruck und körperlicher Belastung. Jedoch bietet er familienfreundliche Uhrzeiten und eine ganzjährige Anstellung. Zwei Vorteile, die in der Region sehr selten sind, die stark vom Tourismus lebt. So wohnen in Peñíscola im Winter rund 8.000 Menschen, im Sommer 150.000. Manuela schlug vor, zusammenzuarbeiten. Beide sehen es als ein Geschenk von Gott an. „Wir können uns die Arbeit so aufteilen, dass dein Rücken so wenig wie möglich belastet wird“, sagt Manuela.
 
„Sie ist eine ganz andere!“
 
Drei Tage später ruft Bele?n aufgelöst an. Ich ziehe meinen Mantel über und wir setzen uns auf eine Bank. „Manuela ist eine ganz andere!“, schießt es aus ihr heraus. „Die viele Arbeit und die wenige Zeit setzen sie dermaßen unter Druck, dass sie keine Geduld hat, die Dinge anständig zu erklären! Ich bin bereits nach drei Tagen am Ende, nervlich wie körperlich. Das habe ich so noch nie erlebt!“ Ich bete etwas ratlos um Weisheit. Was soll ich tun? Ich drehe mich um – und traue meinen Augen nicht. Da kommt tatsächlich Manuela auf uns zu. Ihr Gesicht ist voller Tränen, doch sie lacht, als sie uns sieht. „Hat Gott dich hergeschickt?“, frage ich erstaunt. „Sieht wohl ganz danach aus!“, sagt Manuela fassungslos und setzt sich auf die Bank. Dann fliegen die Fetzen, jeder hat Einwände, jeder hat gute Argumente, beide sind verletzt, enttäuscht, unterbrechen sich ständig. Eigentlich sind sie sich nur in einer Sache einig: „Wir sind Schwestern in Christus, und möchten nicht im Streit auseinandergehen.“ Doch heute ist nichts mehr zu klären. Wir treffen eine Abmachung: Montagnachmittag reden wir weiter bei einem Kaffee. Ich muss gehen, lasse die zwei auf der Bank zurück, bete, dass sie sich nicht die Haare ausreißen.
 
Praktische Tipps zur Kommunikation
 
Montag. Manuela ruft an: „Bele?n hat gekündigt, ohne es mir vorher zu sagen!“ Wir treffen uns trotzdem, wie abgemacht, zum Kaffee. Ich stelle bereit: Zwei Bleistifte, Papier und eine Eieruhr. Vor zwei Wochen hielt ein Ehepaar in die Gemeinde Vorträge über Kommunikation. Beide hatten die Vorträge gehört. Nun war es Zeit, das Gehörte anzuwenden. „Die ersten fünf Minuten gehören Gott. Ich lese den Tagesvers aus der Bibel. Danach darf jede in Stille aufschreiben, was sie sagen möchte, was sie denkt, oder was Jesus ihr sagt.“ Beide nehmen es sich zu Herzen. Ich bete dabei still, angespannt wartend auf die nächste Eskalation. Doch diese – bleibt aus. Bele?n ist als erste dran: gefasst, entschlossen, demütig redet sie. Dann ist Manuela an der Reihe. Ich stelle die Eieruhr erneut auf fünf Minuten, um Unterbrechungen zu vermeiden. Doch das ist nicht notwendig. Auch Manuela redet ruhig, gefasst, liebevoll. Keine Unterbrechungen, keine aggressiven Anschuldigungen. Wortlos schaue ich sie an. Dann sagen sie mir gemeinsam: „Wir dachten, wir hätten eine super Idee gehabt. Doch wir haben sie nicht mit Gott besprochen, und mussten hart daraus lernen.“
 
Gottes Güte bewundern
 
Wir liegen uns in den Armen, lachen, weinen, beten. Beten für die tägliche Versorgung von Bele?n und ihren drei Kindern. Beten für eine neue Arbeitskollegin für Manuela. Da klingelt das Telefon. Manuelas Chefin berichtet, es habe sich eine neue Arbeitskollegin gefunden. Wir schauen uns erstaunt an. Bewundern Gottes Güte. Zwei Monate sind seither vergangen. Manuelas Arbeitskollegin ist immer noch da. Und Bele?n hat mit Manuela gemeinsam ein gelungenes Projekt für die Gemeinde organisiert – ohne Streit, Frust und Tränen. „Darum lasst uns dem nachstreben, was zum Frieden dient und zur Erbauung untereinander.“ Römer 14,19.