Sie sind hier: Home / Liebenzeller Mission

Podcast, TV und RSS - Regelmäßig informiert sein!

Podcast „imPuls" - Predigten, Veranstaltungen, Specials


Fernsehen - Magazin „weltweit – am Leben dran“ 


RSS - Nachrichten abonnieren

Montag 27. Mai 2019 - 10:54

„Ein Kleinod, das bewahrt werden muss“ – Monbachtal blickt auf eine bewegte 100-jährige Geschichte zurück

100 Jahre Monbachtal

BAD LIEBENZELL. „Villa Lustigsein“, Sophie Scholl und eine Million Gäste: All das hat das Monbachtal in seinen vergangenen 100 Jahren erlebt. Mit einem Festgottesdienst und einer Jubiläumsveranstaltung feierten zahlreiche Gäste mit den Christlichen Gästehäusern Monbachtal den runden Geburtstag – und erhielten spannende Einblicke in die bewegte Geschichte.

 

Laut dem Direktor der Liebenzeller Mission, Pfarrer Johannes Luithle, gehören der Missionsberg und das Monbachtal untrennbar zusammen. Hier kämen die „Bergleute“ zur Ruhe und würden Gemeinschaft und Begegnungen erleben. Die Frische des Monbachs präge das Tal und dort werde Psalm 23 nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich erlebt: „Ich bin überzeugt, dass noch mehr Menschen in Zukunft von diesem Tal, ja von diesem lebendigen Wasser angezogen werden.“ Luithle dankte Gott und den engagierten Mitarbeitern für das gute Miteinander und die wertschätzende Zusammenarbeit: „Das Monbachtal tut so richtig gut!“

Jährlich zählen die Christlichen Gästehäuser Monbachtal rund 40.000 Übernachtungen, sagte der Leiter Armin Jans. „Mehr als 14.000 Gäste aus 23 Ländern kommen ins Tal.“ 40 Mitarbeiter kümmern sich um 235 Betten. Mehr als 80 Seminare bietet die Einrichtung an, mehr als 70 Schulklassen aus ganz Deutschland verbringen hier ihren Schullandheim-Aufenthalt. Seit der Gründung des Monbachtals gab es über drei Millionen Übernachtungen.

 

Für Kinder und Jugendliche gegründet

 

Ins Leben gerufen hat die Einrichtung Ernst Zimmermann im Februar 1919. Mit dem Christlichen Verein für Jugendwohlfahrt wollte er Kindern und Jugendlichen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nach dem Ersten Weltkrieg kostenlosen bzw. billigen Urlaub ermöglichen. Die Wahl fiel auf das Monbachtal, weil man seine idyllische, ruhige und doch zentral gelegene Lage mitten im Nagoldtal schätzte. Dabei wurde Zimmermann vom damaligen Bad Liebenzeller Bürgermeister Hugo Mäulen tatkräftig unterstützt. Das erste Aufenthaltszelt wurde „Villa Lustigsein“ genannt. In den Jahren darauf waren viele bekannte Persönlichkeiten zu Gast im Monbachtal, darunter die Widerstandskämpferin Sophie Scholl, die als Angehörige der „Weißen Rose“ von den Nationalsozialisten 1943 hingerichtet wurde. Auch die Wiener Sa?ngerknaben übernachteten in den 50er-Jahren auf einer Tournee im Tal. Außerdem war Hermann Ehlers, von 1950 bis zu seinem Tod 1954 Bundestagspräsident, ein treuer Gast und ehrenamtlicher Mitarbeiter im Monbachtal. Eine tiefe Zäsur bedeutete der Zweite Weltkrieg: Vier Tage nach dem Beginn wurden sehr kurzfristig 150 Zivilkranke aus Krankenhäusern in Karlsruhe aufgenommen. Drei Jahre später beschlagnahmte die Wehrmacht die gesamte Einrichtung und richtete ein Hilfslazarett ein. Der Pflegedienst wurde teilweise von Schwestern der Liebenzeller Mission übernommen. Diese waren auch später an der Pflege beteiligt, als das Monbachtal 1944 als Hilfskrankenhaus der schwer zerstörten Stadt Pforzheim diente.

 

Beliebtes Gästezentrum der Liebenzeller Mission

 

1975 übernahm dann die Liebenzeller Mission das Monbachtal. Der Verwaltungsleiter des Werkes und einer der Geschäftsführer des Monbachtals, Hansgerd Gegenbach, erläuterte die Hintergründe: So war der „Christliche Verein für Jugendwohlfahrt“ finanziell ins Schlingern gekommen. Alle Versuche der wirtschaftlichen Gesundung scheiterten. Darauf kamen die Verantwortlichen auf die Liebenzeller Mission zu. Sie nutzt das Gelände nun unter anderem für das Teenager-Missions-Treffen, zu dem über 2.000 Jugendliche kurz vor Pfingsten zu einem Wochenende zusammenkommen. Das Monbachtal sei eine ideale Ergänzung zum Missionsberg und jetzt das Gästezentrum der Liebenzeller Mission, das sich steigender Beliebtheit erfreue. 1977 vereinbarte man mit dem Innenministerium, der Stadt Bad Liebenzell und der Gemeinde Neuhausen, dass das gesamte Gelände des Monbachtals künftig zur Stadt Bad Liebenzell und damit zum Landkreis Calw gehören soll. Mit involviert war der damalige Bürgermeister Helmut Schiek.

Ein „Quantensprung“ in der jüngeren Geschichte war die Renovierung des Café Monbachtals 2014, zu der 2016 – und das ist in Deutschland einmalig – noch eine Kapelle dazu kam. Hier können Wanderer, Cafe?-Besucher und Hausgäste zur Ruhe zu kommen und Gott begegnen.

 

Politiker würdigen die Arbeit der Christliche Gästehäuser

 

Bad Liebenzells Bürgermeister Dietmar Fischer erinnerte an die bewegte Geschichte des Monbachtals und dankte seinen Amtsvorgängern für ihren Einsatz: „Sie haben zusammen mit den Betreibern eine Idylle geschaffen.“ Er versicherte: „Wir wollen gemeinsam in der Zukunft noch einiges auf die Beine stellen.“ Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Hans-Joachim Fuchtel, meinte mit einem Augenzwinkern: „Gott hat ein sehr kluges Händchen gehabt, hier das Monbachtal einzurichten.“ Er würdigte den Einsatz der Mitarbeiter und wünschte Gottes Segen: „So ein Kleinod muss bewahrt bleiben.“ Laut dem Landtagsabgeordneten und Mitglied des CDU-Fraktionsvorstands, Thomas Blenke, ist der Landkreis Calw ein Wohlfühlkreis. „Die Krönung des Wohlfühlens im Kreis ist dabei das Monbachtal.“ Hier fände auch – angesichts der rund eine Million Gäste, die seither ins Monbachtal gekommen sind –Völkerbegegnung im besten Sinne statt. Er wünsche sich, dass sich „viele Menschen wohlbehütet wohlfühlen.“

 

Verstärkte Unterstützung von sozial schwachen Familien und Arbeitslosen

 

Bei der Jubiläumsveranstaltung gab Jans einen Ausblick auf die Zukunft. Man sei sehr zufrieden, wie sich das Monbachtal entwickelt hat: „Die Zufriedenheit unserer Gäste ist außergewöhnlich hoch. Die Anzahl der Schulklassenbuchungen steigt jährlich.“ Jans ist dankbar, dass man bereits vielen Menschen eine Heimat bieten konnte. Er verwies beispielhaft auf eine Familie, die durch das traumatische Erlebnis eines Brandes in tiefe seelische und finanzielle Nöte kam. Dieser habe man zehn Tage Urlaub ermöglicht. Künftig möchte man verstärkt Menschen und Familien unterstützen, die sich ein Seminar oder einen Urlaub nicht leisten können. Ebenso wolle man Arbeitslosen helfen und finanzschwachen Menschen „einen Raum zur Erholung und Bildung geben“, wie es die Gründungsväter in ihrer Satzung festgehalten haben. Auch die Missionare habe man im Blick, damit diese ihrer Arbeit mit neuer Kraft nachkommen können.

Nun startet im Juli die grundlegende Sanierung des Freizeitheims. Es wird barrierefrei ausgebaut und soll im kommenden März wieder eröffnet werden. Dazu sei man noch auf weitere Spenden und zinslose Darlehen angewiesen. Außerdem möchte man künftig noch mehr Veranstaltungen anbieten. Daneben habe man neue Angebote für Frauen, Männer und Familien entwickelt, die bereits jetzt modellhaft für andere Organisationen seien. Zudem gibt es im Sommer nächsten Jahres erstmals ein dreiwöchiges Monbachtal-Festival für alle Generationen. Jans wünscht sich, dass die Christlichen Gästehäuser weiterhin bekannt sind für eine gute Atmosphäre, Freundlichkeit, Fröhlichkeit, Wohlgenuss für alle Menschen und ein tiefes Gottvertrauen.