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Mittwoch 09. Mai 2018 - 08:00

Eine Quichua-Familie wird auf die Probe gestellt

ECUADOR. „Heiko, kannst du meinen Mann holen? Blanca geht es so schlecht, sie möchte sich von ihrem Vater verabschieden“, sagte eine Quichua-Frau am Telefon zum Liebenzeller Missionar Heiko Erndwein. Der machte sich sofort mit dem Auto auf den Weg zum Haus der Familie. Doch der Mann war nicht Zuhause, dafür aber einige Geschwister von Blanca. Gemeinsam fuhren sie durch ausgetrocknete Bachläufe, über Felsen und Staubpisten weiter den Berg hinauf, bis sie den Vater schließlich bei den Kühen auf dem Feld fanden. Von der Nachricht schockiert, brachen sie direkt nach Ibarra ins Krankenhaus auf, wo die 24-Jährige auf der Intensivstation lag.

Dort angekommen, trafen sie auf weitere Geschwister, die aus dem drei Stunden entfernten Quito angereist waren. Einer nach dem anderen durfte ins Patientenzimmer, um Abschied zu nehmen. Weil Heiko und seine Frau Simone vor zwölf Jahren zu Beginn ihres Einsatzes kurzzeitig bei der neunköpfigen Familie gewohnt und seither engen Kontakt zu dieser haben, wollte Blanca auch ihn sprechen. Er setzte sich zu ihr ans Bett und war schockiert, wie sehr ihre HIV-Erkrankung die junge Frau gezeichnet hatte: „Sie lag nur da, hat gezittert und geweint. Sie sagte, sie fühle sich extremschuldig und suche Vergebung. Ich feierte Abendmahl mit ihr, las ihr aus der Bibel vor und betete für sie“, schildert Heiko. Blanca wünschte sich abschließend, dass er noch mit ihrer Familie für sie betet. Dieser Wunsch wurde ihr erfüllt. Dann verließ Heiko das Krankenhaus – mit dem Gedanken, Blanca nie wiederzusehen.

Doch drei Tage später konnte er sie erneut besuchen, aber sie erkannte ihn nicht mehr. „Sie war wie im Delirium, fantasierte vor sich hin und murmelte im nächsten Moment Bibelverse.“ Am Tag darauf kam ein Anruf von der Mutter. Heiko machte sich aufs Schlimmste gefasst, doch sie erzählte froh, dass Blanca heim dürfe. Er konnte es kaum fassen und fuhr sofort nach Ibarra, um die Familie abzuholen. Blanca war weiterhin nicht bei klarem Verstand und so mager und schwach, dass sie im Rollstuhl transportiert werden musste. Heiko vermutete, dass sie entlassen wurde, um in Ruhe Zuhause sterben zu können. Doch es kam anders. Ihr Körper kam allmählich wieder zu Kräften. Nun, drei Monate später, konnte Blanca sogar mit einigen ihrer Geschwister bei einem Jugendcamp in Lita teilnehmen. Sie möchte sich ganz für Gott einsetzen, der ihr diese zweite Chance eingeräumt hat. Auch Heiko blickt positiv auf die Ereignisse zurück: „Jeden Freitag lese ich mit der Familie Bibel. Durch die Krankheit kamen wir tiefer ins Gespräch über Vergebung und wie man sein Leben bereinigen kann. Ich weiß nicht, ob wir genauso tiefe Gespräche geführt und so intensive Gebetszeiten gehabt hätten, wenn es die Krankheit nicht gegeben hätte.“