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Montag 05. Juni 2017 - 13:50

Was Luthers Kritik mit dem Zeitgeist-Glauben zu tun hat

Andreas Brecht in der Rolle des Martin Luther

BAD LIEBENZELL. Die Kritik Luthers an der Frömmigkeit seiner Zeit ist hochaktuell. Diese Ansicht vertrat Pfarrer Dr. Volker Gäckle am Pfingstmontag beim Luthertag in Bad Liebenzell vor rund 1300 Besuchern. „Menschen glauben heute zwar nicht einfach, was die Kirche glaubt. Aber wir haben heute einen Zeitgeist-Glauben, der das glaubt, was die veröffentlichte Meinung sagt.“ Gäckle ist Rektor der Internationalen Hochschule Liebenzell (IHL) und sprach zum Thema „In Gott gebunden, durch Gott befreit“. Veranstaltet wurde der Luthertag von der Liebenzeller Mission und der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Liebenzell. Der Tag stand unter dem Motto „Hier steh ich nun – und kann auch anders“.

 

Volker Gäckle erinnerte an den Hintergrund der Reformation. „Da stand auf der einen Seite eine Kirche, die mit ungeheurer Machtfülle festlegte, was der richtige Glaube ist. Auf der anderen Seite war eine europäische Bevölkerung, die in der riesigen Mehrheit keinen Zugang zu Bildung und damit auch keine Chance hatte, einen eigenen Blick auf die christliche Botschaft zu bekommen.“ Martin Luther sei einer der wenigen, aber nicht der einzige gewesen, der die Bibel in ihren Originalsprachen studieren und eine eigene Sichtweise bekommen konnte. Neu sei gewesen, dass es jemand durchzog, seine eigene Sicht beizubehalten. Zentrale Botschaft bei Luther sei, dass der Mensch aus Gnade von Gott angenommen ist und nicht aufgrund eigener Leistungen. Gäckle sagte, dass das heutige Freiheitsverständnis von einem gewaltigen Missverständnis zwischen Freiheit und Ungebundenheit geprägt sei. Freiheit würde heute oft verstanden zu tun, was man will. „Heute gibt es einen noch nie da gewesenen individuellen Gestaltungsfreiraum. Komischerweise gelingt es uns aber auf diesem Freiheitstrip immer seltener, tragfähige Beziehungen aufzubauen“, so der Theologe. Aus biblisch-reformatorischer Sicht seien Freiheit und Bindung keine Gegensätze: „Wir sind immer nur so frei, wie wir uns aus freien Stücken an Gottes Wort binden.“ Daraus erwachse „Freiheit zum Reden, Beten und Dienen“.

 

In einem Vortrag zum Thema „Luther und das Gebet“ sagte Dieter Lohrmann, dass die Reformation eine Bußbewegung, eine Bibelbewegung und auch eine Gebetsbewegung gewesen sei. Lohrmann ist Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Bad Liebenzell. Nach dem Predigtamt sei das Gebet für Luther „das größte Amt in der Christenheit gewesen“. Göttlich-menschliche Kommunikation habe einen hohen Stellenwert. „Der Mensch ist geschaffen als Gegenüber von Gott. Wo der Mensch vor Gott steht, ist er am rechten Platz.“ Dabei sei Gebet bei Luther nichts, was man ab und zu mal tue, sondern für das ganze Leben prägend. „Wir sollen in dieser Haltung des Gebets vor Gott bleiben und als dankbar Empfangene leben“, so Dieter Lohrmann.

 

Im Parallelprogramm referierte Hochschul-Dozent Dr. Bernd Brandl über das Motto der Veranstaltung „Hier steh ich nun ­– und kann auch anders“. Der Kinder- und Teeniechor Bad Liebenzell führte unter der Leitung von Beate Krause nochmals das Luther-Musical „Mönsch Martin“ auf, das bereits im April bei den beiden Aufführungen im Liebenzeller Kurhaus das Publikum begeisterte. Eine Luther-Ausstellung zeigte Hintergründe der Reformation und ihren heutigen Bezug auf.