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Donnerstag 30. März 2017 - 19:00

Den Teufelskreis der Vergeltung durchbrechen

Pfarrer Detlef Krause beim Kongress „Vitalitas“ 2017

BAD LIEBENZELL. „Christen haben in der Gesellschaft eine Verpflichtung, Dinge beim Namen zu nennen und sich dabei nicht nur Freunde zu machen.“ Das sagte Pfarrer Detlef Krause beim Kongress „Vitalitas“ der Liebenzeller Mission am 30. März in Bad Liebenzell (Nordschwarzwald) vor rund 180 Zuhörern. Krause ist Direktor des Missionswerkes. Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Rechte Backe – linke Backe: Müssen Christen sich alles gefallen lassen?“.

Das Gebot der Feindesliebe sei ein Gebot, das den christlichen Glauben ganz wesentlich von anderen Religionen unterscheide. „Aber ist es grundsätzlich so, dass Christen sich immer nach dem Prinzip ‚Der Klügere gibt nach’ handeln sollten und immer nett sein müssen?“, fragte Detlef Krause. Gott sei es nicht egal, was Menschen mit Menschen tun: „Gott will, dass wir ein Gerechtigkeitsempfinden haben und uns über Ungerechtigkeiten aufregen. Feindesliebe heißt nicht, einfach alles zu schlucken.“ Das Gebot der Feindesliebe gelte für Feinde, nicht für den Normalzustand, sagte Krause. Bei diesem Gebot gehe es nicht um die Ehe, die Kindererziehung, das Verhältnis zum Nachbarn oder zum Arbeitskollegen. „Missverständnisse in diesen Bereichen müssen geklärt werden, Ungerechtigkeit gehört angesprochen, Versagen gehört eingestanden. Das Gebot der Feindesliebe gilt dann, wenn die Fronten so verhärtet und die Beziehungen so zerstört sind, dass es andere Mechanismen braucht als die normalen Kommunikationsmittel.“ Es gebe eine Todesspirale unter dem Motto „Der oder die soll mich mal kennen lernen!“. So etwas wirke sich in Beziehungen aus wie Gift. „Gewalt erzeugt Gegengewalt und nimmt kein Ende. Wenn wir Hass in uns tragen, dann wird uns das begleiten wie eine Hintergrundmusik. Das wirkt sich auf unser ganzes Leben aus, auf Seele und Körper.“ Schon allein um unser selbst willen seien wir gut beraten, aus dem Teufelskreis der Vergeltung auszubrechen. Detlef Krause empfahl den Zuhörern, Jesus Christus als Vorbild zu nehmen. Jeder Mensch erlebe Situationen, in denen er sich ungerecht behandelt findet. In solch einer Situation habe Jesus Christus gesagt: „Wenn dich jemand auf die rechte Backe schlägt, dann halte ihm auch die linke hin.“ Dabei könnten sich Christen darauf verlassen, dass Gott ihnen zuhört, wenn sie vor ihm „sein Herz ausschütten“: „Gott können wir unseren Frust, unsere Demütigungen, unseren Zorn, unsere Angst sagen.“

Über weltweite Projekte der Liebenzeller Mission berichteten Mitarbeiter aus verschiedenen Ländern. Albrecht Hengerer sprach über seine Erfahrungen als Missionar in Frankreich. Durch die Missionsarbeit seien in den letzten Jahren mehrere christliche Gemeinden entstanden. Oft seien dies „interkulturelle“ Gemeinden. „Manchmal sind 70 Prozent der Gottesdienstbesucher aus Afrika.“ Als er vor einigen Monaten gefragt wurde, ob er zusammen mit seiner Frau das Missionars-Team in Burundi unterstützen könnte, habe er das als eine gute Fügung Gottes verstanden. „Gott hat uns in Frankreich schon auf Afrika vorbereitet“, so Albrecht Hengerer. In Burundi wird sich Ehepaar Hengerer für die Versöhnung zwischen Hutu und Tutsi einsetzen und einheimische Christen und Pastoren schulen.

Im Nachmittagsprogramm gab es mehrere Seminare zur Auswahl. Die Demenzfachkraft Esther Siegel sprach über den Umgang mit der Angst vor Demenz. Das Wichtigste sei, sich vorzubereiten und inhaltlich mit der Demenz zu befassen, anstatt das Thema zu verdrängen. Oft seien nicht nur die Ängste vor der Krankheit bedrückend, sondern die Sorgen im Blick auf die eigene Vergänglichkeit und das Ende des Lebens. Häufig gebe es Vorurteile gegenüber dem Thema Demenz. So würden viele denken, ein Leben mit Demenz sei nicht mehr lebenswert. „Aus meiner Erfahrung können Menschen mit Demenz noch sehr gute Lebensqualität haben. Sie brauchen dazu aber ein Umfeld, das ihnen guttut und das sie fördert. Menschen mit Demenz können lachen, fröhlich sein, zufrieden sein. Und sie bekommen oft viel mehr mit als man meint“, so Esther Siegel. Sie wolle das Thema Demenz nicht schön reden, denn Demenz sei eine Krankheit, die Auswirkungen auf die eigene Person und das Umfeld hat. „Aber häufig wird Demenz in den Medien sehr negativ dargestellt. Es hilft, sich von manchen Vorurteilen zu lösen.“