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Dienstag 30. August 2011 - 17:40

„Ich würde das immer wieder machen, keine Frage“ – Die letzten Zivis bei der Liebenzeller Mission nehmen Abschied – Bundesfreiwilligendienst läuft an

Arbeit im Team: Ein Merkmal der Freiwilligendienste bei der Liebenzeller Mission.

BAD LIEBENZELL. Jahrzehnte lang prägten Zivildienstleistende die Arbeit bei gemeinnützigen Organisationen und sozialen Einrichtungen. Nun geht eine Ära zu Ende. Durch die Aussetzung der Wehrpflicht fällt auch der Zivildienst in der bisherigen Form weg. Da viele Einrichtungen auf das Engagement von Zivis nicht verzichten können, hat die Bundesregierung als Alternative den Bundesfreiwilligendienst (BFD) eingeführt. Durch den BFD soll das Konzept des Freiwilligendienstes auf eine breitere gesellschaftliche Basis gestellt werden. Deswegen steht er auch Erwachsenen ohne Altersgrenze nach oben offen.

 

Auch bei der Liebenzeller Mission und den Christlichen Gästehäusern Monbachtal brachten sich jedes Jahr mehrere Zivildienstleistende mit viel Einsatz ein. Noch wenige Wochen sind die letzten drei verbliebenen Zivis in Bad Liebenzell. Sie alle bedauern, dass durch die Aussetzung der Wehrpflicht auch für den Zivildienst das Aus kam. „Zivildienstleistende werden an vielen Stellen fehlen“, meint Michael Schmidt. Er leistet seinen Ersatzdienst in der Schreinerei der Liebenzeller Mission. „Und auch für junge Leute ist das schade. Als Zivi lernt man viele Dinge, die man sonst nicht lernt“, sagt der 20-jährige aus dem hessischen Hüttenberg.

 

Auch für Florian Grabner war der Zivildienst bei den Gästehäusern eine prägende und lohnende Zeit: „Ich würde das immer wieder machen, keine Frage. Es herrscht hier einfach eine tolle Gemeinschaft, ich habe hier viele nette Leute kennengelernt und kann nur jedem einen Freiwilligendienst empfehlen.“ Der junge Mann aus Lößnitz in Sachsen schätzte besonders das gute Arbeitsklima, das zwischen Angestellten und Zivildienstleistenden bei der Liebenzeller Mission herrscht: „Man geht hier sehr freundlich miteinander um, es ist wirklich eine angenehme Umgebung, um zu arbeiten.“ Das gute Miteinander betont auch Jürgen Piot, 21-Jähriger gelernter Elektrotechniker aus Helmhof bei Sinhseim: „Ich schätze sehr, dass man hier auch Fehler machen darf. Man redet darüber und klärt die Dinge – aber einfach in einem guten Umgang miteinander.“

 

Ein gutes Miteinander ist auch Ulrich Munz wichtig. Er ist Personalreferent der Liebenzeller Mission im Bereich Inland und trifft sich regelmäßig mit den Zivildienstleistenden: „Da ist es zuerst einmal wichtig, ein offenes Ohr zu haben, ob gerade irgendwo der Schuh drückt“, sagt Munz. „Aber natürlich mache ich auch klar, dass für uns als christliche Einrichtung auch ein freundlicher und hilfsbereiter Umgang dazu gehört.“ Dabei ist es Munz wichtig, die jungen Menschen entsprechend ihrer Fähigkeiten einzusetzen und auch zu fördern. Das kommt an. „Obwohl ich ausgebildeter Schreiner bin, habe ich hier auch fachlich noch manche Dinge lernen können“, sagt Michael Schmidt. Für viele Zivildienstleistende war auch neu, gemeinsam in einer Wohngemeinschaft zu leben und die meisten Arbeiten im Team auszuführen. „Es ist uns wichtig, dass die jungen Menschen während ihrer Zeit bei uns soziale Kompetenzen erwerben und vertiefen“, sagt Ulrich Munz. Deshalb stünden regelmäßig gemeinsame Teamabende auf dem Programm, so der Personalreferent weiter.

 

Neben ihrer Arbeit hatten die Zivildienstleistenden die Chance, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen: „Ich war bei einem missionarischen Einsatz dabei“, erzählt Jürgen Piot: „Diese Möglichkeit hätte ich zu Hause nicht gehabt.“ Ein breites Spektrum der Arbeit der Liebenzeller Mission kennenlernen zu können – das wollen die Verantwortlichen auch den Freiwilligen ermöglichen, die sich zukünftig über BFD oder Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) einbringen. „Neben dem Erleben unserer Großveranstaltungen besteht auch immer die Möglichkeit, an einem Auslandseinsatz teilzunehmen. Für viele junge Leute ist das eine einmalige Gelegenheit“, sagt Ulrich Munz: „Wir wollen Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Vorteile des Zivildienstes auch den zukünftigen Freiwilligen zugute kommen.“

 

Eigentlich sei der Zivildienst eine Win-win-Situation gewesen, meint der Personalreferent. Soziale Einrichtungen wie die Liebenzeller Mission profitierten vom Einsatz der jungen Menschen. Die wiederum lernen selbstständig zu werden, arbeiten mit Gleichaltrigen zusammen und erleben tiefe Gemeinschaft. „Ich hoffe natürlich, dass wir unsere bisherigen Zivildienststellen in der Zukunft durch den Bundesfreiwilligendienst besetzt bekommen“, so Ulrich Munz.

 

Im kommenden Jahr bietet die Liebenzeller Mission BFD- und FSJ-Stellen unter anderem in den Bereichen Elektrowerkstatt, Hauswirtschaft, Schlosserei, Altenpflege oder Malerwerkstatt an.

 

Für die „Noch-Zivis“ stehen bald die Rückkehr in ihre Heimatgemeinden und oft auch Weiterbildungen an. Michael Schmidt möchte sich zum Techniker ausbilden lassen, Jürgen Piot denkt in eine ähnliche Richtung und Florian Grabner will eine Ausbildung zum KfZ-Mechaniker machen. Da passte es gut, dass er im Monbachtal immer wieder auch an Landmaschinen schrauben konnte. „Die Arbeit war sehr vielseitig. Vom Reifen- und Ölwechsel an den Autos über die Reparatur von Geräten bis hin zu Fahr- und Schließdiensten“, beschreibt der Sachse seine Tätigkeit: „Ich habe eine Menge gelernt.“

 

Auf viele ähnlich engagierte Bewerber für das kommende Jahr hofft nicht nur Personalreferent Ulrich Munz. Auch die drei jungen Männer aus der letzten Zivigeneration bei der Liebenzeller Mission wünschen das. Schließlich können sie ihre Erfahrungen anderen nur empfehlen.