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Buchneuerscheinung 2015

Die Liebenzeller Mission und der Nationalsozialismus

 

Eine Studie zu ausgewählten Bereichen, Personen und Positionen.

 

Autor: Helmuth Egelkraut

Seitenanzahl: 531

Buchpreis: EUR 39,90

 

ISBN 078-3-643-12980-2

Erschienen im LIT Verlag

 

Das Buch ist im Buchhandel erhältlich und auch über unser Bestellformular online bestellbar.

Geleitwort von Pfarrer Detlef Krause

 
Direktor Pfr. Detlef Krause

 

„Nichts vergoldet die Vergangenheit mehr als ein schlechtes Gedächtnis!“ Dieses Zitat von John Steinbeck beschreibt einen Rückblick in die Vergangenheit, indem vergangene Zeiten oder einzelne Menschen ausschließlich in den schönsten Farben gezeichnet werden: „Wie gut war es doch damals!“ „Wie vorbildlich war diese oder jene Person!“ In vielen Erzählungen sind die schwierigen Tage, das klägliche Versagen, die bodenlose Hoffnungslosigkeit, die Verirrungen und die nicht gerade rühmlichen Situationen ausgeblendet. Manche Biografie ähnelt deshalb mehr einer Hagiografie (Beschreibung eines Heiligen) als einer realistischen Schilderung der Person. Sie geht damit aber an der Wirklichkeit vorbei.

Geschichte und Lebensgeschichten sind nur dann hilfreich, wenn in ihnen die Wirklichkeit mit Positivem und Negativem zur Sprache kommt. Gerade die Fehler und das Versagen in der Vergangenheit helfen uns in unserer Situation. So hat es uns Gott in seinem Wort vorgemacht. In der Bibel findet sich keine Schönschreibung des Lebens der Männer und Frauen, die Gott gebrauchte. Jakobs Hinterhältigkeit, Davids Ehebruch, Moses Ungeduld, Petrus' Feigheit, um nur einige zu nennen, werden nicht unter den Teppich gekehrt. Gott bringt sie zur Sprache und zeigt gleichzeitig, wie er trotz des menschlichen Versagens mit Menschen und seinem Werk zum guten Ziel kommt.

Die Geschichte der Liebenzeller Mission ist beeindruckend. Was ist nicht aus den kleinen Anfängen von 1899 bis heute entstanden? Der Begründer Pfr. Heinrich Coerper war ein besonderer Mensch und Christ. Sein Vertrauen auf Christus, seine Hingabe und sein Glaube waren vorbildhaft. Darüber ist in der Vergangenheit oft gesprochen und geschrieben worden.

Worüber man aber nur sehr wenig hörte, waren die Jahre zwischen 1933 und 1945. Das waren furchtbare und von schwerer Schuld gezeichnete Jahre der deutschen Geschichte. Ein ganzes Volk wurde irregeführt durch den Glanz und die Gewalt des NS-Regimes. Wie sind Heinrich Coerper, sein Nachfolger Ernst Buddeberg und die Liebenzeller Mission als Ganzes damit umgegangen? Wie standen sie zum Nationalsozialismus? Darüber wurde in den zurückliegenden 70 Jahren kaum gesprochen. Warum nicht?

Warum es jene, die in dieser Zeit lebten, und auch jene, die nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches in der Verantwortung für das Werk standen, nicht taten, wissen wir nicht. Aber in der Leitung der Liebenzeller Mission ließ uns diese Frage nicht in Ruhe. Wir sahen es als unsere Aufgabe, Licht in diesen Teil unserer Werksgeschichte zu bringen und uns der Wirklichkeit zu stellen. Deshalb beauftragte das Komitee der Liebenzeller Mission im Februar 2012 Dr. Helmuth Egelkraut damit, diesen Teil der Geschichte der Mission zu recherchieren. Unter dem gestellten Thema und Arbeitsauftrag „Die Geschichte der Liebenzeller Mission im Dritten Reich" durchforstete Dr. Egelkraut verschiedene Archive und präsentierte nach mehr als zwei Jahren ein Buch, das die Ergebnisse aufführt.

Was auf den über 500 Seiten zu lesen ist, hat nicht nur unser Bild vergangener Jahre und einzelner Personen verändert, sondern es hat uns sehr betroffen gemacht. Wie viele andere damals hat man bei der Liebenzeller Mission Adolf Hitler und das ganze NS-Regime nicht durchschaut. Das ist bitter, aber wahr. Mehr soll an dieser Stelle dazu nicht gesagt werden. Am Ende dieses Buches nimmt das Komitee der Liebenzeller Mission Stellung zu den Vorgängen. Wir stellen uns der Wahrheit, ohne uns über unsere Vorgänger zu stellen. Bei der Beurteilung anderer gilt auch in diesem Fall das, was Jesus einst den Pharisäern riet: „Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“

Wir sind Dr. Helmuth Egelkraut für seine gründliche und geduldige Forschungsarbeit, bei der die Frage nach der Wahrheit und nicht das Image des Werkes im Vordergrund stand, zu tiefem Dank verpflichtet.

Der Liebenzeller Mission geht es um ehrliche und transparente Aufarbeitung ihrer Geschichte. Deshalb hat das Komitee der Liebenzeller Mission entschieden, die Ergebnisse unter dem Titel „Die Liebenzeller Mission und der Nationalsozialismus“ der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Es hat Stimmen gegeben, die meinten, dass man nach 70 Jahren die Vergangenheit doch ruhen lassen solle. Manche waren der Meinung, dass ein Aufwühlen der Vergangenheit mehr Schaden anrichten als helfen würde.

Wir sind der Ansicht, dass ein ehrlicher und transparenter Umgang mit der Vergangenheit nicht nur uns, sondern auch anderen helfen wird. Wir wollen aus den Fehlern zurückliegender Jahre für uns persönlich lernen. Es steht uns nicht zu, andere zu verurteilen, aber einer Beurteilung und Bewertung dürfen und sollen wir uns nicht entziehen.
Es ist unser Gebet, dass Gott aus dieser Offenlegung Gutes erwachsen lässt.


Pfr. Detlef Krause
Direktor der Liebenzeller Mission