MISSION weltweit – September / Oktober 2011

THEMA ǀ JAPAN Spendencode für die Missionsarbeit in Japan: SPC 1340-32 Ü ber sechs Millionen Einträge erscheinen auf meinem Computerbildschirm, wenn ich »pray for Japan« (Bete für Japan) in eine Bildsuchmaschine eingebe. Als Logo, auf Stickern, T-Shirts, Postern, ja sogar auf Fingernä- geln, einem Rennauto von Lotus und dem Helm eines Formel-1-Fahrers kann man diese drei Wor- te finden. Damit fordern viele Länder und Interes- sengruppen zum Gebet für Japan auf. Als Christ und Missionar in diesem Land halte ich das Beten mit für das Beste, was man für Japan tun kann, schon vor und erst recht nach der dreifachen Ka- tastrophe (Erdbeben, Tsunami, AKW-Probleme) vom 11. März 2011. Beim genaueren Betrachten der einzelnen Auf- rufe zum Gebet muss man aber auch feststellen, dass es oft gar nicht um das Gebet im christlichen Sinne geht. Da stehen viel- fach Solidaritätsbekundungen oder schlichte Mitleidsbot- schaften im Vordergrund. An manchen Stellen liest man direkt neben dem Gebetsaufruf die Aufforderung »Ganbare nippon«, was soviel heißt wie: »Gib nicht auf, streng dich an, Japan.« Je mehr ich ver- suche, diesen Satz zu verstehen, merke ich, dass sich diese beiden Aufrufe fast widersprechen. Erwartet man doch beim Letzteren die Kraft von sich selbst und beim Gebet letztlich von Gott. Trotzdem freuen wir uns, dass weltweit Menschen dieses Volk im Gebet vor unseren himmlischen Vater bringen. Von einem Gebet, das uns beschämt und gleich- zeitig sehr erfreut hat, möchte ich kurz berichten: Es war am Sonntag, 13. März 2011, zwei Tage nach dem großen Erdbeben. Die Scherben und das Chaos von heruntergefallenen Büchern und Ordnern waren noch nicht ganz beseitigt, da hat- ten wir in unserem Gottesdienstraum schon ein Notlager eingerichtet. Planmäßig wäre ein Bi- belseminar in unserer Gemeinde mit dem Leiter der Bibelschule auf dem Programm gestanden, aber da die Züge noch nicht fuhren, die Autobah- nen noch gesperrt waren, es ständig Nachbeben gab und auch sonst noch nicht klar war, wer über- haupt kommen konnte, sagten wir das Seminar am Abend vorher noch ab. Es war generell eine selt- same Atmosphäre – keiner, den man kontaktieren konnte, wusste so recht, was jetzt dran ist und wie man sich in dieser noch nie dagewesenen Situation am besten verhält. Gespannt, wer sich an diesem Sonntagmorgen überhaupt in unserer Gemeinde einfinden würde, hatte ich mich, wie mir ein befreundeter Pastor vorgeschlagen hatte, noch kurzfristig auf eine Zu- sammenkunft mit dem Schwerpunkt Gebet vorbe- reitet. Neun Leute kamen zusammen und wir sangen ge- meinsam, lasen Psalmen und tauschten uns nach einer kurzen Andacht aus. Jeder konnte erzählen, wie er den Freitag, 11. März, und die beiden Tage danach erlebt hatte. Wir stellten fest, dass alle letztlich Betroffene waren. Bei manchen wa- ren Wasser und Strom seit Freitag weg, Dächer beschädigt, einer war elf Stunden zu Fuß von Tokio nach Hause gelaufen, und unser Bi- belschüler kam mit seinem letzten Tropfen Benzin hergefahren, weil er keine offene Tankstelle mehr fand. Wir tauschten die Namen von Bekannten und Ver- wandten als Gebetsanliegen aus und hielten dann eine Gebetsgemeinschaft. Angesichts der unsiche- ren Lage, die damals noch keiner richtig einschät- zen konnte, wussten wir gar nicht, wie wir beten sollten. Da die meisten Christen waren, war ein großer Teil der Fürbitte gewidmet. Wir beteten für die noch vermissten Verwandten und Bekannten, für Bewahrung der Feuerwehrleute und AKW-Ar- beiter, für alle Helfer, die nach Vermissten suchten, für Weisheit und Kraft für alle Verantwortlichen und Regierenden und vieles mehr. In Japan wird fast immer der Reihe nach gebetet – so ging es auch an diesem Sonntagmorgen im Kreis herum. Normalerweise ist das ja auch kein Problem, aber wenn jemand das öffentliche Ge- bet noch nicht gelernt hat, kann es eines werden. Ein Wort von dir Gerd und Heike Strauß, drei Kinder, vor der Ausbildung am Theologischen Semi- nar Kfz-Mechaniker bzw. Hotelfachfrau, fünf Jahre Gemeinschaftsarbeit im Süd- deutschen Gemeinschafts- verband, seit 1996 in Japan, nach dem Sprachstudium Gemeindearbeit in Yokoha- ma-Nagaya, dann ein Jahr als Hauseltern im Schülerheim, von November 2008 bis März 2011 Gemeindegründungs- arbeit in Miraidaira, zurzeit Einsatz im Katastrophen- gebiet in der Region Sendai. Angesichts der unsiche- ren Lage wussten wir gar nicht, wie wir beten sollten. Das letzte Gebetstreffen mit der Gemeinde 6 MISSION WELTWEIT SEPTEMBER/OKTOBER 2011

RkJQdWJsaXNoZXIy Mzg4OTA=