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Donnerstag 27. Juni 2019 - 16:22

„Wir wollen keinen Betreuerjob übernehmen, sondern den Menschen Freiheit geben“

Aaron und Ilonka Köpke leiten unser Gemeindegründungsprojekt „Oase“ in Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern). Sie lieben die Menschen in ihrem Plattenbauviertel und setzen sich mit großem Engagement für sie ein. Um aus ihrer Arbeit zu berichten, waren sie einige Monate in Deutschland unterwegs. Wir haben Aaron ein paar Fragen gestellt.

Was denken die Leute in Neubrandenburg über euch, bevor sie das erste Mal in der Oase waren?
Da gibt es alle möglichen Vorstellungen. Viele denken, wir sind immer noch ein Jugendclub, weil das früher in unserem Gebäude stattfand. Manche vermuten hinter dem Namen auch ein Wellness-Angebot.

Und was, wenn sie mal da waren?
Viele kommen einfach mal auf unseren Innenhof „geschlichen“. Einige kennen das Gelände noch als Jugendtreff und finden, dass die Oase sehr schön geworden ist. Ich erkläre ihnen dann, dass wir sowohl ein Stadtteil-Treff sind und gleichzeitig eine Kirche bauen. Die meisten finden das eine gute Kombination – auch wenn sich längst nicht alle für unsere Angebote interessieren.

Was ist die größte Herausforderung für eure Arbeit?

Es ist für uns oft die Herausforderung, bei jedem einzelnen Menschen zu sehen, was gerade dran ist und den nächsten Schritt mit ihm zu gehen. Wir wollen keine überzogenen Erwartungen haben, uns aber auch nicht verzetteln, wenn Menschen gerade in einer Krise sind. Wir wollen keinen Betreuerjob übernehmen, sondern den Menschen die Freiheit geben, Probleme auch selbst zu lösen. Es ist für uns spannend, den Punkt herauszufinden, wann Menschen an echter Jüngerschaft interessiert sind. Was auch eine Herausforderung ist: Wie integrieren wir die Ehrenamtlichen für den nächsten Schritt in der Gemeindegründung, um eine geistliche Einheit zu schaffen?

Gibt es ein Erlebnis in letzter Zeit, das dich fasziniert hat?
Eine große Clique von Müttern, die sich immer auf dem Spielplatz vor der Oase getroffen haben, sind jetzt mittendrin bei uns. Wir kennen viele von ihnen schon sechs, sieben Jahre. Sie waren uns und der Oase gegenüber immer distanziert. Jetzt kommen sie zum Kinderprogramm der Oase und hören von Jesus. Das ist genial. Mit dieser Dynamik hätten wir noch vor einem Jahr nicht gerechnet.
     
Welche Eigenschaft schätzt du an den Menschen in Neubrandenburg besonders?
Für mich ist das schon ein gewisses „Gemeinsinn-Denken“. Zwar gestaltet sich das nicht immer in allen Ausprägungen christlicher Ethik, aber die Menschen stehen füreinander ein. Ein Beispiel: Eine Frau aus der „Mütter-Clique“ hat ein Kind mit Down-Syndrom bekommen. Sie hatte sich bewusst für das Kind entschieden. Die anderen haben super reagiert und gesagt: „Das kriegen wir hin. Wir helfen dir.“