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Mittwoch 17. Oktober 2018 - 14:22

„Ostdeutschland ist für Glauben offener als viele denken!“

DEUTSCHLAND. „Ostdeutschland ist für den christlichen Glauben gar kein so hartes Pflaster, wie gemeinhin angenommen wird.“ Das sagt der 22-jährige Samuel Voigt, der selbst in Stendal (Sachsen-Anhalt), rund 50 Kilometer nördlich von Magdeburg, aufgewachsen ist. Er studiert seit 2015 Theologie und Soziale Arbeit im interkulturellen Kontext an der Internationalen Hochschule (IHL) in Bad Liebenzell. Von Februar bis Juli absolvierte er ein Praktikum in der „Oase“, einem sozialmissionarischen Gemeindegründungsprojekt der Liebenzeller Mission in Neubrandenburg – und das hinterließ bei ihm segensreiche Spuren.
 

Studium hinterfragt hilfreich den christlichen Glauben

 
Voigt wuchs mit fünf Geschwistern in einer gläubigen Familie auf, die sich in der evangelischen Landeskirche engagiert. Da seinen Eltern der Glaube auch im Urlaub sehr wichtig ist, besuchten sie mehrere Familienfreizeiten in den Christlichen Gästehäusern im Monbachtal bei Bad Liebenzell, die zur Liebenzeller Mission gehören. So kam es zu ersten Begegnungen mit dem Missionswerk. Daneben lernte Voigt auch die Freikirchen wie Baptisten kennen und schätzen. Er absolvierte nach seinem Abitur ein Freiwilliges Soziales Jahr beim deutschen Sitz der Missionsgemeinschaft „Fackelträger“ in Obernhof bei Limburg (Lahn). Dort wuchs bei ihm der Wunsch, Soziale Arbeit zu studieren. Zuerst dachte er daran, das an einer staatlichen Universität zu belegen. Da ihm aber der theologische Schwerpunkt dabei sehr wichtig war und nachdem ihm ein Student von seinem Studium an der IHL vorschwärmte, entschloss er sich, 2015 in den Nordschwarzwald zu ziehen und dort auch zu studieren. Der an IHL der Liebenzeller Mission angebotene Studiengang verbindet theologische, interkulturelle, missionswissenschaftliche, humanwissenschaftliche und sozialarbeiterische Kompetenzen. „Das Gesamtpaket passt einfach“, so Voigt auf die Frage, was ihm an dem Studium besonders gefällt. Hier bekomme man nicht nur Fachwissen vermittelt, sondern auch neue Denkanstöße. „Mein Glaube wird immer wieder hilfreich hinterfragt und ich schätze es, mich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen.“ An der IHL gefällt ihm auch die Gemeinschaft mit den anderen rund 250 Mitstudenten: „Die Freunde befinden sich quasi direkt vor der Haustür“, so Voigt. Und das kommt ihm sehr entgegen, schließlich liebt er es, Freundschaften zu leben. Außerdem ist er leidenschaftlicher Mannschaftssportler; er spielt gerne Fußball. Und auch der Lobpreis ist dem Klavierspieler eine Herzenssache und kommt in Bad Liebenzell nicht zu kurz.
 

„Mir liegen Beziehungen und Freundschaften am Herzen“

 
In der wöchentlichen „Chapel Hour“ für alle Mitarbeiter und Studenten der Liebenzeller Mission berichten Missionare immer wieder von ihrer Arbeit und stellten sie vor. Und hier lernte Voigt auch die „Oase“ kennen. Die Liebenzeller Mission startete 2006 das Projekt im „Reitbahnviertel“ in Neubrandenburg. Die meisten Kindern und Jugendliche wachsen in dem Plattenbauviertel in armen Verhältnissen auf. Es gibt viele Patchwork-Familien. Gewalt, Drogen und Alkohol sind keine Seltenheit. Die Oase bietet konkrete (Lebens-)Hilfe und die Mitarbeiter der Liebenzeller Mission leben vor, wie eine lebendige Beziehung zu Gott Sinn und Hoffnung gibt. Ihr Angebot umfasst Begegnungsfrühstücke für jedermann, Jungscharen, Abende für Teenager im Jesus-Café, Glaubenskurse und Lobpreis- und Gebetsabende. Außerdem gibt es Kochkurse und Hausaufgabenbetreuung sowie Freizeiten für Kinder und Teenager. Und die Mitarbeiter besuchen Menschen, die in Not sind, um ihnen praktisch zu helfen. Denn jeder soll Gottes Liebe erleben. Da für alle Studenten von „Theologie und Sozialer Arbeit“ ein sechsmonatiges Praktikum verpflichtend ist, entschloss sich Voigt, dieses in Brandenburg zu absolvieren: „Mir ist die Beziehungsarbeit sehr wichtig und das reizte mich.“ Von Februar bis Juli konnte Voigt dabei ausprobieren, welche Altersgruppe ihm am meisten liegt und so verbrachte er die meiste Zeit mit Jugendlichen, trieb mit ihnen Sport und lud sie zu Spiel- und Gesprächsabende zu sich ein. Gefallen hat ihm an der „Oase“, dass sie viele offene Angebote macht, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tiefgehende Beziehungen zu den Jugendlichen aufbauen und ihnen Jesus Christus näherbringen. „Immer wieder wurde ich von unterschiedlichen Menschen eingeladen und konnte neben der Arbeit auch teilhaben an ihrem persönlichen Leben. Ich fühlte mich von Anfang an als Teil des Ganzen, als Teil einer großen Familie, die hier ihren Dienst für die Menschen und Jesus tut.“ Das Vertrauen von und zu den Menschen wuchs in einer Geschwindigkeit, die er sich niemals hätte ausmalen können. Besonders im direkten Kontakt mit den Menschen spürte er, wie sein Herz für diese Arbeit schlug. „Treffen mit jungen Erwachsenen oder Jugendlichen häuften sich mit der Zeit und begannen mit zu meinen liebsten ‚Arbeitszeiten‘ zu gehören.“ An den Mitarbeitern beeindruckte ihn ihre Hingabe im Glauben und ihr Vertrauen auf Gott. „Das sind Punkte, die ich mir für mein eigenes Leben mitnehmen und aneignen will. Sie haben mir einen neuen Blick darauf gegeben, nicht nur, was es heißt Jünger Jesu zu sein, sondern ebenso, was es heißt Menschen zu Jüngern und Nachfolgern Jesu zu machen. Ich kam, um Menschen etwas zu geben, aber gehe aus der Zeit in der Oase selbst als ein Beschenkter heraus.“
 

Getrost die Zukunft angehen

 
Im Sommer ist Voigt mit seinem Studium dann fertig. Und was kommt danach? „Ich überlege zurzeit stark, noch ein Theologie-Studium draufzusetzen, gerne auch in Bad Liebenzell“. Denn ihm ist die Mission immer mehr ans Herzen gewachsen. „Dabei benötige ich ein gutes theologisches Fundament, um die existentiellen Lebensfragen meiner Mitmenschen gut beantworten zu können.“ Später möchte Voigt gerne in christlichen Gemeinden in Deutschland sozialmissionarisch arbeiten. „Mir liegt die Arbeit mit Menschen, die nicht im christlichen Glauben stehen, sehr am Herzen“. Dabei schaut er getrost in die Zukunft, schließlich ist ihm der Zuspruch Gottes aus Josua 1,9 sehr wichtig geworden: „Ich sage dir: Sei stark und mutig! Hab keine Angst und verzweifle nicht. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst.“ („Neues Leben“ Bibelübersetzung) Über diesen Vers ist er in den vergangenen Jahren immer wieder „gestolpert“ und er hat ihn geprägt: „Ich kann meine Zukunft gelassen angehen. Gottes Zuspruch und Ermutigung tun gut, wenn man nicht weiß, wie es weitergeht.“