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Montag 23. Oktober 2017 - 15:00

IHL-Absolventin tritt mit Thomas de Maizière auf

Kathrin Pohl (rechts im Bild) mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière

MAINZ. Letztes Jahr hat sie ihr Studium an der Internationalen Hochschule Liebenzell (IHL) abgeschlossen, heute arbeitet Kathrin Pohl bei der Caritas in Mainz. Anlässlich der Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit stand die 28-Jährige gemeinsam mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière auf der Mainzer Open-Air-Bühne der Bundesregierung, um das Projekt „Neue Nachbarn in der Mainzer Neustadt“ (NeuNa) vorzustellen.

„Sonst sehe ich seine Auftritte im Fernsehen und plötzlich stehe ich selbst mit dem Innenminister auf der Bühne“, erzählt Kathrin. Es habe sie nicht nur gefreut, dass „NeuNa“ an diesem Tag als einziges Projekt vom Bundesinnenministerium ausgewählt wurde, sondern auch, dass Thomas de Maizière allen Bühnenteilnehmern das Gefühl gab, einander auf Augenhöhe zu begegnen. Gemeinsam mit zwei Syrern und Ehrenamtlichen präsentierte Kathrin dem Publikum das Integrationsprojekt „NeuNa“. „Diese Erfahrung hat uns zusammengeschweißt. Gleichzeitig fand interkulturelle Begegnung statt, denn wir haben die Vorbereitungen, die Aufregung und den Bühnenmoment geteilt“, erzählt sie.


Sie gerät in einen Zwiespalt


Dass Kathrin einmal ein solches Projekt in Deutschland leiten würde, damit habe sie lange Zeit ihres Lebens nicht gerechnet: „Mir war immer klar, dass ich im Ausland arbeiten möchte – entweder in einer christlichen Entwicklungsarbeit oder in der Mission.“ Ein Einsatz im Tschad und ihr Auslandssemester in Kanada bestätigten sie in ihrem Vorhaben. Ihr anschließendes Semester absolvierte Kathrin in einem Mainzer Flüchtlingsheim – genau zu der Zeit, in der große Flüchtlingswellen nach Deutschland strömten. Bei der Arbeit mit Zuwanderern wurde ihr plötzlich bewusst, dass ihre Leidenschaft nicht an Afrika oder Kanada geknüpft ist, sondern an Menschen aus arabischen Herkunftsländern. „Jahrelang habe ich mich auf meine Auslandspläne fokussiert und auf einmal fühlten sie sich nicht mehr richtig an. Es war, als ob mich Gott vor die Wahl stellt, meiner Vision oder ihm zu folgen?“


Gott zeigt neue Wege auf


Kathrin entschied sich bewusst zur Nachfolge Jesu, auch wenn sie dafür in Deutschland bleiben müsste. Sie wartete ab, was Gott für sie bereithielt. Kurz vor Studienende meldete sich dann zufällig eine Freundin aus Mainz, die ihr ein Zimmer anbot. Ohne einen Job in Aussicht zu haben, unterzeichnete Kathrin den Mietvertrag. Im selben Zug bewarb sie sich bei der Caritas in Mainz, die Verstärkung für ein Integrationsprojekt suchte. Wenig später erhielt Kathrin bereits die Zusage: „Innerhalb einer Woche hatte ich eine Bleibe und einen Job. Es fühlte sich richtig an – so, als hätte Gott es für mich vorbereitet.“ Seit März leitet Kathrin „NeuNa“, das geflüchtete Menschen berät, unterstützt und ins Gemeinwesen integriert.


Leben und Studium auf dem Missionsberg haben sie geprägt


Viele Kompetenzen für ihre heutige Arbeit hat Kathrin bereits erworben, als sie noch „Theologie/ Soziale Arbeit im Interkulturellen Kontext“ in Bad Liebenzell studierte: „Neben Seminarinhalten aus den Bereichen Führung und Coaching, Entwicklungszusammenarbeit und Humanitäre Hilfe, brachte mich auch die Lebensgemeinschaft auf dem Missionsberg persönlich voran. Ich habe beispielsweise gelernt, mich zu reflektieren und zu organisieren", sagt Kathrin. Diese Eigenschaften seien wichtig, entscheidend für ihren Job sei jedoch, ein Herz für Zuwanderer zu haben: „Diese Menschen sind meine Leidenschaft. Ich möchte das Projekt vorantreiben und interkulturelle Begegnungen schaffen, um Hürden zwischen Nationen aufzubrechen.“ Aus ihrem Glauben heraus ist es für Kathrin selbstverständlich, geflüchtete Menschen aufzunehmen und in unser Gemeinwesen zu integrieren: „Sie sind wie du und ich – sie freuen sich über neues Leben und trauern bei Verlust.“

Quelle Foto: THW / Kai-Uwe Wärner